23. April 2008, HNA-online
Erst kommt das Fressen...
Von Kirsten AmmermüllerKassel. Seit 80 Jahren auf der Bühne - und immer noch so beliebt wie am ersten Tag. Viele Schauspieler und Regisseure haben sich an der Dreigroschenoper versucht, manche besser, manche schlechter. Die Inszenierung von Theater Total im Anthroposophischen Zentrum, die jetzt zu sehen war, dürfte weit vorn in der Rangliste der gelungenen Aufführungen rangieren.
Theater Total in Bochum bietet jungen Schauspielern ein Jahr lang die Möglichkeit, sich in anspruchsvollen Rollen zu beweisen. Angst vor dem schweren Stoff hatten die jungen Schauspieler nicht. Nur Regisseurin Barbara Wollrath-Kramer sagte, sie sei zunächst etwas erschrocken gewesen, die Dreigroschenoper inszenieren zu müssen. Doch was das Theater Total auf die Bühne gestellt hat, verleiht dem Stück Elan und Frische.
Die aufwändige Bühnenkonstruktion lässt sich in verschiedenen Varianten neu zusammenschieben. Im Handumdrehen wechselt die Szene von der alten Scheune, in welcher der Gangsterboss Mackie Messer eben noch mit seiner Polly Hochzeit feierte, zu dem Heim seiner neuen Schwiegereltern, die alles andere als begeistert über die Wahl ihrer einzigen Tochter sind.
Zwischen korrupten Machenschaften und der Jagd auf Mackie Messer wird eine detaillierte Studie des Unterweltmilieus gegeben. Diebe, Bettler und Huren, die Ärmsten der Armen, liefern sich einen erbitterten Überlebenskampf, denn "erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral".
Die jungen Schauspieler scheuen nicht davor zurück, die Derbheit dieser Gesellschaft ohne Tabus auf die Bühne zu bringen. Der Weltstadtzynismus Brechts ist dabei noch genauso aktuell wie zur Zeit der Entstehung in der Weimarer Republik.
Dass alle Darstellenden gut bei Stimme sind, bewiesen sie in den verschiedenen Stücken, ob allein, im Duett oder im Chor. Musikalisch begleitet wurden sie von der "Dreigroschenband", die in Bettlerkostümen über die Bühne schlich. Am Ende ernteten alle Mitwirkenden begeisterten Applaus.
Quelle: Artikel vom 23.04.2008 aus http://www.hna.de
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