30. März 2008, WAZ Bochum
Die Dreigroschen-Story
Die jungen Darsteller vom TheaterTotal bringen Bertolt Brechts berühmte Moritat im ehemaligen Stadtarchiv auf die Bühne. Da erinnert man sich gern an eine schmissige Inszenierung von Leander Haußmann"Mach mal 'was Verrücktes", so lautet ein Leitspruch bei "TheaterTotal". Und wenn man sich anschaut,welch schwere Brocken die jungen Schauspieler in den vergangenen Jahren auf die Bühne gewuchtet haben, dann könnte man auf die Idee kommen, dass dieser Leitspruch stimmt.
Da war der komplette "Faust" dabei, der "Kirschgarten" oder der "Menschenfeind". Vor zwei Jahren stellte sich TheaterTotal scheinbar völlig unerschrocken dem gewaltigen "Peer Gynt" und zauberte selbst aus einem solchen Schinken einen fidelen, flotten Theaterabend.
Auch die jüngste Generation von TheaterTotal, die erneut aus rund 30 jungen Leuten aus ganz Deutschland besteht, plündert die Theatergeschichte auf ihre Weise: Schon seit Anfang Oktober bereiten sich die Nachwuchsdarsteller auf ein Stück vor, das scheinbar auf leichten Füßen daher kommt, in dem aber dennoch eine Menge Gefahren stecken. Denn in der "Dreigroschenoper" des großen Bert Brecht wird bekanntlich nicht nur gespielt, sondern auch mit Verve gesungen! So sind neben den darstellerischen auch die stimmlichen Qualitäten jedes Einzelnen gefragt: gewiss eine Herkulesaufgabe.
Fast auf den Tag genau zehn Jahre ist es mittlerweile schon her, seit Mackie Messer und Spelunken-Jenny zuletzt eine Bochumer Bühne unsicher machten. Ex-Intendant Leander Haußmann, bekanntlich kein Kind von Traurigkeit, hatte die "Dreigroschenoper" im Mai 1998 im Schauspielhaus zur Aufführung gebracht und dafür zuvor die komplette vordere Fassade des Theaters im Look eines Dreigroschenheftchens eingekleidet. Kurz vor der Premiere erlitt Steffi Kühnert, die die Polly spielen sollte, einen Hörsturz, konnte daher kaum singen, hielt die weit über zwei Stunden Spielzeit aber dennoch tapfer durch. Den Mackie spielte Torsten Ranft mit einer solchen Freude, als würde er jeden Schuss aus seiner Kanone genießen. Zwar merkten Kritiker anschließend an, dass sich der eher für seine spielerische Ader bekannte Haußmann mit Brechts streng konstruiertem Stück ein wenig schwer getan habe: Dennoch gelang dem nie ganz unumstrittenen Intendanten zur Hälfte seiner Bochumer Amtszeit mit der "Dreigroschenoper" ein Publikumshit. Ähnliches könnte auch dem TheaterTotal gelingen, denn die "Dreigroschenoper" ist vor allem an der Abendkasse stets eine sichere Sache: Hier treffen ausgezeichnete Songs auf eine spannende Geschichte. Zu Kurt Weills legendärer Musik, die mit Elementen des Blues und Tango beherzt spielt, ist Mackies langer Weg zum Galgen stets ein Wiedersehen wert. Das TheaterTotal, das wie immer unter bewährter Leitung von Barbara Wollrath-Kramer auftritt, ist auch diesmal für sämtliche Aspekte der Aufführung selbst verantwortlich: vom Bühnenbild bis zur Tontechnik. Mit Rosani Reis und Christian Komorowski wissen die jungen Darsteller zudem zwei versierte Musiker und Stimmtrainer an ihrer Seite. "Man kommt an seine Grenzen, sowohl körperlich als auch physisch", so ist aus dem TheaterTotal zu hören. "Aber es lohnt sich!"
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