07. Januar 2008
Der Dezember bei TheaterTotal
Auch bei uns merkte man, dass es so langsam auf Weihnachten zuging. Und zwar nicht nur an den Bratäpfeln und Weihnachtsplätzchen aus eigener Herstellung, die wir zur Mittagszeit genießen durften. Sondern auch an den Vorbereitungen für den alljährlichen Weihnachtsmarkt am 2. und 3. Adventswochenende auf Schloss Lüntenbeck bei Wuppertal. Als bäuerliche Dorfgemeinschaft, angereist aus dem tiefsten Böhmen, durften wir dort vor Publikum „Flaselkuchen“, eine böhmische Spezialität, backen und verkaufen. Doch das muss gekonnt sein! So lernten wir, dass Flaselkuchen, von Flasel= Flecken, aus einem gut gekneteten Hefeteig, frischem Zitronenquark und den unterschiedlichsten Zutaten besteht, zum Beispiel Mohn, geriebenen Boskopäpfeln, Pflaumenmus, Pfefferkuchen und vielen mehr. Diese kommen als Flecken auf den rund ausgekneteten Teig und werden vor den Augen des Publikums ganz frisch in den Ofen geschoben. Jeder der Dorfbewohner hatte seine eigene, ganz spezielle Zutat mitgebracht, die er dem Publikum anpreisen wollte. Da war der Bauer Juri mit seiner Frau Dunja, die die besten Äpfel von den glücklichsten Apfelbäumen besitzt, Malka, Milchbäuerin aus Liebe, die ihren Kühen ganz besondere Medizin verabreicht oder Aknezka, die Gastwirtin, um deren Rumrosinen sich eine verwegene Geschichte aus südlichen Gefilden rankt. Als Auflockerung der vielen abenteuerlichen Geschichten präsentierten wir ab und an ein paar volkstümliche Tänze, die wir mit Stephan Brinkmann und mit viel Spaß gelernt hatten. Vielen Dank an dieser Stelle auch noch mal an Herrn Dinnebier, der uns so herzlich einlud. Für uns alle war es ein tolles Erlebnis, in der kalten Winterluft unsere Freude an Improvisation und spontanem Kontakt mit Publikum zu erproben und ganz nebenbei in die allerschönste Weihnachtsstimmung zu kommen.Ebenso probten wir im Dezember fleißig an unserer Shakespeare-Collage unter der Leitung von Klaus Teigel. Aus verschiedenen Werken Shakespeares wurden einzelne Szenen gespielt, die am 6. Januar zum ersten Mal an einem bunten Improvisationsabend zu sehen waren. In der Ausarbeitung sind unserer Kreativität kaum Grenzen gesetzt, jeder kann sich auf ganz individuelle Weise Shakespeares Texten annähern. Am ersten „Tag der offenen Tür“ in der Geschichte von TheaterTotal zeigen wir dann am 10. Februar um 17 Uhr die fertig gestellte Collage.
Auch der „normale“ Unterricht gestaltete sich für uns in der letzen Zeit abwechslungsreich. Mit unserer Tanzlehrerin Chrystel Guillebeaud probten wir im Dezember an einer speziellen Performance. Klaus Borkens brachte uns bei, unseren Körper so zu nutzen, dass wir ihm keine Schäden zufügen und dabei mit größtmöglichstem Spaßfaktor lernen, Pyramiden aus Menschen zu bauen oder im Handstand zu stehen. Auch im Schauspielunterricht bei Barbara in kleineren Gruppen wurde es spannend, da wir die Grundgesten des Schauspielers kennen lernten.
Die Tourneeplanungen sind zu dieser Jahreszeit in vollem Gange. Jeder aus der Gruppe ist für einen Tourneeort verantwortlich. Da werden Pressemappen verschickt, Sponsoren angefragt und das Telefon scheint immerzu besetzt zu sein. Auch nach einem LKW wird fieberhaft gesucht. Und wie kommen wir überhaupt von einem Ort zum anderen? Es gibt also noch viel zu tun!
Zum Glück haben wir aber schon unser Stück für die Tournee gefunden. Zuvor wurde jedoch angeregt diskutiert. Wollen wir eine Komödie spielen? Etwas Modernes? Und wie sieht es überhaupt mit den Rechten aus? Bei letzterem Punkt mussten wir uns von einigen Vorschlägen von vornherein verabschieden. Dann wurde in mehreren Wahlgängen abgestimmt. Auf dem zweiten und dritten Platz tummelten sich „Der blaue Vogel“ von Maurice Maeterlinck und „ Die Komödie der Eitelkeit“ von Elias Canetti. Das Stück, was uns jedoch am meisten überzeugte - nicht zuletzt wegen eines beeindruckenden Vortrages über Brechts Theatertheorie - und am Ende gewann ist „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht. Da wir alle musikalisch interessiert sind, freuen wir uns auf das Stück und die kommende intensive Probenzeit.
Imke Axmann
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